„Die Weltwirtschaft bleibt unterm Strich auf Wachstumskurs“ (Erschienen am 09.12.2018, Frank Stocker)




Pessimismus beherrscht seit Wochen die Finanzmärkte. Viele Konjunkturdaten haben sich zuletzt deutlich verschlechtert, der Dax rangiert in der Folge über 15 Prozent unter dem Niveau vom Jahresbeginn. Die große Frage ist: Ist das der Anfang eines noch größeren Absturzes im kommenden Jahr oder lediglich eine vorübergehende Delle?

„In den aktuellen Kursen ist bereits eine Rezession eingepreist“, sagt der Vermögensverwalter Markus Zschaber, der jeden Monat für WELT AM SONNTAG den WELT-Index erstellt. Doch genau dieser deutet darauf hin, dass die Ängste vor einem starken wirtschaftlichen Abschwung übertrieben sind. Die 50 weltweit erhobenen Konjunkturdaten, die in die Berechnung des Index einfließen, legen zwar eine Abschwächung der Konjunktur nahe, das globale Wachstum dürfte im kommenden Jahr aber dennoch bei immerhin 3,5 Prozent liegen. In diesem Jahr wird es bei rund 3,8 Prozent liegen.

„Die Weltwirtschaft bleibt unterm Strich auf Wachstumskurs“, sagt Zschaber. Aber in verschiedenen Weltregionen und diversen Branchen der Weltwirtschaft lasse die Dynamik eben nach. „Man kann daher von Dellen sprechen, das ist aber nicht gleichzusetzen mit einer Baisse oder gar mit einem dramatischen Abschwung.“ Doch auch Zschaber gesteht zu, dass es Risiken gibt. Da ist zum einen die Gefahr einer Ausweitung des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Hier setzt Zschaber allerdings auf die Einsicht von US-Präsident Donald Trump, dass Zölle die Kosten für Unternehmen und Verbraucher letztlich erhöhen und diese daher über kurz oder lang belasten: „Ich erwarte weniger Eskalation und mehr rationale Lösungsansätze.“

Beim zweiten großen Risiko, dem Brexit, sei Rationalität dagegen schon lange verschwunden. Hier jedoch verweist Zschaber darauf, dass der EU-Austritt letztlich vor allem für Großbritannien ein Problem sei. „Die EU und Europa werden mittel- bis langfristig auf der Gewinnerseite stehen.“ Denn die Verlagerung von Produktionsstätten lasse die Wertschöpfung und die Lohnsumme in der übrigen EU ansteigen, Investitionen auf der Insel würden verringert. Dafür hat die EU mit Italien ein anderes Sorgenkind, das wirklich zur Belastung werden kann. Hier müssten, so Zschaber, die EU und die Europäische Zentralbank der Regierung in Rom klare Grenzen aufzeigen.

All diese Risiken können zu Schwankungen an den Börsen führen, und diese dürften stärker ausfallen als in der Vergangenheit. Das liege auch am hohen Anteil von Investments, die allein noch durch Computer und Algorithmen gesteuert werden. Für diese bedeuten geringe Schwankungen wenig Risiko, was zu einer Erhöhung der Aktienquote führt. Treten jedoch Schwankungen auf, wechseln die Programme auf die Verkäuferseite, verstärken dadurch die Volatilität – und müssen dann noch mehr verkaufen. „So weiten sie jede Korrektur aus, unabhängig von der fundamentalen Lage.“

Dennoch: 2019 sollten laut Zschaber die Chancen überwiegen. Die Weltwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, und so können gesunde Unternehmen mit guter Marktstellung weiter gute Gewinne erzielen und diese sogar steigern. Das Musterportfolio setzt daher mit 55,5 Prozent stark auf Aktien. Rund 15 Prozent entfallen auf mittelständische Unternehmen, in Deutschland, Europa und den USA, mit Fokus auf sogenannte „Hidden Champions“ – versteckte Perlen. Qualitativ hochwertige Industrie- und Konsumwerte aus Deutschland und Japan sowie Großkonzerne aus den USA und der Schweiz bleiben ebenfalls favorisiert. Die Cash-Quote von rund sieben Prozent soll genutzt werden, um bei Schwankungen Qualitätsaktien zuzukaufen.