„Reine Nervensache“
(Erschienen am 10.04.2016, Michael Höfling)




Was an den Märkten auch passiert, einer Überzeugung bleibt Markus Zschaber treu: „Die Qualitätsaktie ist die attraktivste Anlage der Welt.“ Der Gründer und Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung lässt sich durch die Unruhe, der die globalen Finanzmärkte seit Beginn des Jahres ausgesetzt sind, nicht verunsichern. Zwar fallen die Ergebnisse des „Welt-Index“, den sein Unternehmen monatlich exklusiv für die „Welt am Sonntag“ erstellt, diesmal gemischt aus. Doch das globale Setting für die Anlageklasse Aktien bleibt aussichtsreich.

Grund dafür ist weniger die Stärke der Dividendenpapiere selbst, auch wenn sich die Bewertungen durch die jüngste Konsolidierung normalisiert haben. Es sind vor allem die fehlenden Anlagealternativen, die zumindest für ein begrenztes Rückschlagsrisiko an den Aktienmärkten sprechen (siehe auch „Thema“ ab Seite 13). Dafür wiederum sind vor allem die großen Notenbanken verantwortlich, die nach wie vor mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die schwächelnde Konjunktur zu beleben. Ein Instrument dieser Strategie sind die niedrigen Zinsen, die die Unternehmen dazu bringen sollen, mehr Schulden aufzunehmen. Den Kollateralschaden dieser Politik des billigen Geldes haben die Sparer zu tragen: Sie bekommen für ihr Kapital auf Sparbüchern, Tages- oder Festgeldkonten praktisch keine Zinsen mehr. Selbst vor der lang angekündigten Zinswende in den USA muss sich inzwischen niemand mehr fürchten: Nach der Mini-Zinserhöhung im Dezember ist die Notenbank Fed angesichts der Verunsicherung in der Weltwirtschaft bereits wieder zurückgerudert.

Wer also Rendite erwirtschaften will, für den bleiben realistischerweise vor allem Aktien. „Ich sehe gute Chancen, dass der Deutsche Aktien-Index Dax schon im zweiten Halbjahr wieder zu alter Stärke zurückfinden wird“, glaubt Zschaber. „Gerade Index-Stände unter 9750 Punkten sind für mich klare Kaufniveaus.“ Um die daraus resultierenden Chancen zu nutzen, brauchen Anleger allerdings starke Nerven. „Die Schwankungsbreite an den Märkten wird zunehmen, Ereignisse wie die US-Präsidentschaftswahl, die Abstimmung über einen Brexit sowie geopolitische Entwicklungen dürften den Börsen noch einige unruhige Tage bescheren“, so der Vermögensverwalter.

Dass die Daten des „Welt-Index“ für März nicht überzeugt haben, liegt vor allem an schlechten Zahlen aus Asien. Die dortige Industriekonjunktur, besonders in Japan und China, durchläuft weiter eine schwächere Phase, auch wenn die Zahlen sich gegenüber dem Jahresbeginn etwas verbessert haben. Das drückt auf die Stimmung: So fällt der Index der Erwartungen, der das Sentiment an den Märkten abbildet, gegenüber dem Februar von 63 auf 60 Prozent. Besser läuft der Index der Konjunkturdaten, der die 50 weltweit wichtigsten Zahlensätze abbildet. Er erholt sich weiter von seinem Januar-Tief, notiert mit 62 Prozent zwei Prozentpunkte oberhalb des Vormonatswerts.

Die Unterstützung der Notenbanken sieht Zschaber als wichtigsten Treiber für die Weltwirtschaft. „Das billige Geld bleibt uns allen erhalten, auch wenn es zunehmend weniger Wirkung entfaltet“, sagt Zschaber. So wird die Weltwirtschaft 2016 nach Schätzungen der V.M.Z. unter dem Strich ein Wachstum von drei Prozent erreichen können.

Fazit für Anleger: Ab dem Sommer rechnet Zschaber damit, dass die von ihm erwartete konjunkturelle Belebung von den Marktteilnehmern zunehmend registriert und in entsprechende Anlageentscheidungen umgesetzt wird. Mit Blick auf die inzwischen wieder attraktiven Bewertungen der Indizes würden Investoren dann auch wieder auf der Käuferseite stehen. Die globalen Kapitalströme, glaubt Zschaber, werden mangels Alternativen noch lange konsequent in Sachkapital fließen. Im Musterportfolio profitieren von dieser Einschätzung US-Standard- und -Nebenwerte, deren Gewichtung jeweils erhöht wird, während Blue Chips aus Deutschland und der Schweiz im Depot unverändert bleiben.