„Wie in den Achtzigern“
(Erschienen am 13.11.2016, Daniel Eckert)



Die Unsicherheit nach der US-Wahl ist groß.
Doch der „Welt-Index“ deutet auf steigende Kurse.


Der Crash ist ausgeblieben. Noch in der Nacht der US-Wahl am Dienstag hatten viele Beobachter weltweite Verwerfungen an den Kapitalmärkten befürchtet. Schließlich hatte der Kandidat Donald Trump unter anderem angekündigt, Zölle auf ausländische Waren zu erheben und die Beistandsgarantie der USA in der Nato einzuschränken. Als Trump schließlich gewählt war, fielen die Kurse nur kurz – und drehten dann schnell ins Plus. Die Börse konzentriert sich nach ersten moderaten Tönen des „President elect“ auf andere Wahlversprechen, vor allem auf das gigantische Konjunkturprogramm. Eine Billion Dollar wolle er für die Modernisierung der maroden Infrastruktur des Landes ausgeben, hatte Trump versprochen, und zugleich die Steuern massiv senken.

Das weckt bei Investoren Erwartungen. „Mich erinnert die ganze Szenerie an die Wahl 1980, als Ronald Reagan als Kandidat der Republikaner ins Weiße Haus einzog“, sagt Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Kölner Vermögensverwaltungsgesellschaft, die monatlich den „Welt-Index“ veröffentlicht. Anfang der 80er-Jahre wurde über Reagan geurteilt, er sei als Ex-Schauspieler kaum aus dem Holz geschnitzt, aus dem US-Präsidenten sein müssten. Weithin wurde er als Leichtgewicht gesehen, als Mann von gestern. „Die meisten vergessen, dass Reagan die Steuern senkte und die Verschuldung dynamisch anhob.

Zwar trat die Wirkung erst mit Verzögerung ein, dann aber umso kräftiger und bescherte den USA bis 1987 einen Aufschwung“, ergänzt Zschaber. Die Wahl Trumps dürfte aber noch andere Folgen haben. „Deutschland wird es schwer haben, seine Spardoktrin aufrechtzuerhalten“, sagt Zschaber. Er ist sich sicher: Die südlichen Euro-Länder werden alles versuchen, um ihr Wachstum zu stabilisieren. Zu groß sei die Furcht vor einer Ausbreitung des Populismus, sollte sich die Konjunktur abkühlen. „Italien, Frankreich, Spanien und Portugal werden sich in der Euro-Zone durchsetzen und höhere Staatsausgaben durch höhere Staatsverschuldung fordern.“ Die Angst, die Wahl Trumps könne eine Rezession oder eine Finanzkrise auslösen, hält der Geldmanager für übertrieben. Er geht weiter davon aus, dass die US-Wirtschaft im Jahr 2017 um 2 bis 2,5 Prozent wachsen wird. Ein Treiber sei das Jobwachstum, ein anderer der Häusermarkt, der als Multiplikator noch unterschätzt werde. „Sollte Trump, als Immobilienexperte, finanzpolitische Werkzeuge einsetzen, um den Immobilienmarkt anzukurbeln, könnte dies eines der größten Konjunkturprogramme überhaupt werden.“

Für eine Erholung spricht laut Zschaber noch ein anderer Faktor: Die EZB dürfte ihr geldpolitisches Programm verlängern oder gar ausweiten. So seien künftig Aktienkäufe durch die Zentralbank denkbar – positiv für die Börse. Die gesamtwirtschaftliche Datenanalyse im Rahmen des „Welt-Index“ untermauert den Trend aus den letzten Wochen. Die globale Ökonomie kann sich von der überraschenden Flaut der ersten Monaten dieses Jahres zwar weiter absetzen, ist zuletzt aber von politischen Untersicherheiten eingeholt worden. Die Stimmungsbarometer zeigen einen leichten Rückgang, was vor allem an der unabsehbaren Politik des neuen US-Präsidenten liegt. Das Gros der Wirtschafskomponenten wird jedoch von einem robusten Konsum getragen und einem nach wie vor starken Dienstleistungssektor. Der „Index der Konjunkturdaten“ weist für den Monat Oktober ein Niveau von 62 Prozent aus, nach 67 Prozent im Vormonat. „Die bittere Erfahrung der letzten Jahre haben Spuren hinterlassen, hinter jeder Ecke scheint die nächste große Krise zu lauern“, sagt Zschaber. Bereits Trumps Aufholen in den Umfragen habe die Erwartungen gedämpft. Der „Index der Markterwartungen“ fiel daher zuletzt von 70 auf 62 Prozent zurück. Positiv hervorzuheben ist nach Ansicht des Geldmanagers die starke Binnennachfrage in der Euro-Zone und nicht zuletzt innerhalb Deutschlands. Die bessere Beschäftigungslage und die steigenden Realeinkommen entfalten ihre Wirkung. „Ebenfalls unterstützend wirken die konjunkturellen Vorlaufindikatoren in der Euro-Zone, welche nach wie vor unbeeindruckt vom Brexit-Referendum sind.“

Das große Bild an den Weltfinanzmärkten lässt sich nach Zschabers Worten so beschreiben, dass die Konjunktur in den USA, Europa und Asien eine Menge Potenzial für mehr Umsatz- und Gewinnwachstum in den kommenden Monaten und Jahren bietet. Gleichzeitig seien vonseiten der Notenbanken keine aggressiven zinspolitischen Manöver zu erwarten, schon gar nicht in Asien oder Europa. Die Gewinnaussichten der Unternehmen hätten sich im Prinzip weltweit aufgehellt und nähmen an Dynamik zu. „Politische Risiken werden die Finanzmärkte auch in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen“, sagt der Vermögensverwalter. Die US-Wahlen sind vorüber, dafür steht ein Referendum in Italien bevor, und im Mai wählen die Franzosen ein neues Staatsoberhaupt. Auch die bevorstehenden Entscheidungen der Notenbanken bergen Überraschungspotenzial. So sei schwer absehbar, wie schnell die US-Notenbank den Leitzins anheben wird, und steigende Zinsen kommen an den Börsen im Großen und Ganzen nicht gut an. Zschaber bringt es auf den Punkt: „ Wir müssen die politischen Risiken wachsam im Auge behalten. Allerdings dürfen wir nicht den Fehler begehen, uns aus diesen Gründen fern von den Finanzmärkten zu halten.“