„Mehr Mut zur Rendite“
(Erschienen am 12.02.2017, Michael Höfling)



Politische Märkte haben kurze Beine, lautet eine bekannte Börsenweisheit, die sich in der Rückbetrachtung auch häufig als richtig herausgestellt hat. Die für 2017 zu erwartenden politischen Ereignisse allerdings könnten die Aktienmärkte noch lange und nachhaltig beeinflussen.

Es sind vor allem die Wahlen in Europa, die für Markus Zschaber die Agenda für dieses Börsenjahr bestimmen. Der Gründer und Chef der Vermögensverwaltung V.M.Z., der für die „Welt am Sonntag“ jeden Monat exklusiv den „Welt-Index“ erstellt, bleibt zwar für die Anlageklasse Aktien weiterhin grundsätzlich optimistisch, stimmt Investoren aber auf mögliche unruhige Wochen und Monate ein, in denen Nervenstärke gefragt sein könnte.

Nordrhein-Westfalen als Test für die spätere Bundestagswahl in Deutschland, die Parlamentswahl in den Niederlanden und die Präsidentschaftswahl in Frankreich – stets stimmen Wähler dabei auch über die Zukunft des europäischen Projekts mit ab. Eine Rückkehr zu Protektionismus und Nationalismus würde die globalen Wirtschaftsbedingungen deutlich verschlechtern. Auch für Anleger könnten sich damit die Perspektiven deutlich eintrüben.

Dabei sieht Zschaber das größte Problem nicht einmal in Frankreich, wo mit Marine Le Pen eine Kandidatin zur Wahl steht, die angekündigt hat, im Falle des Wahlsieges das Volk über die weitere EU-Mitgliedschaft abstimmen zu lassen. „Man kann das Le-Pen-Risiko nicht ignorieren, aber wir stufen ihre Wahl als unwahrscheinliches Ereignis ein“, so Zschaber. Deutlich mehr Sorgen bereitet ihm Italien. „Entscheidend ist, ob es hier zu vorgezogenen Neuwahlen kommt.“ Mit der linken „Fünf Sterne“-Bewegung und der rechten Lega Nord übten zwei extrem positionierte Parteien großen Druck auf die aktuelle Regierung aus. „Je nach Wahlausgang kann das zur politischen Zerreißprobe werden.“ Schwer einschätzbar sind für Zschaber die Folgen der Politik von US-Präsident Donald Trump. „Positiv ist auf jeden Fall, wie widerstandsfähig sich die Märkte gegenüber unerwarteten Ereignissen wie dem Brexit oder der Trump-Wahl zeigen“, sagt Zschaber. Immerhin legte der Dow-Jones-Index seit der Präsidentschaftswahl Anfang November um rund sieben Prozent zu.

Jenseits der politischen Agenda sieht der Vermögensverwalter die Weltwirtschaft auf einem guten Weg. Die Zinsen dürften, zumal in Asien und Europa, weiter niedrig bleiben, was Aktien als Investment grundsätzlich stütze. Zwar lasse die expansive Geldpolitik der Notenbanken langsam in ihrer Wirkung nach, dafür stünden aber nun die Staaten bereit, ihre Ausgaben zu erhöhen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Aus den von ihm gesammelten und ausgewerteten Konjunkturdaten leitet der Vermögensverwalter zum einen eine weitere Beschleunigung der globalen Wirtschaftsdynamik ab. Aussagekräftiger sind für ihn noch die Stimmungsdaten: Die aufgrund der geopolitischen Situation vorsichtige Haltung der Anleger stabilisiere den Aktienmarkt zusätzlich. „Von euphorischer Überhitzung, die im Falle negativer Nachrichten oft zu empfindlichen Kurseinbrüchen führt, ist derzeit wenig zu spüren“, analysiert Zschaber.

So rät er denn den Investoren, ihr Kapital über möglichst viele Anlageklassen zu streuen, um im Superwahljahr 2017 nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Der Schwerpunkt aber, daran lässt Zschaber keinen Zweifel, müsse bei einer aussichtsreichen Anlagestrategie auf Qualitätsaktien liegen. Im Musterdepot liegt der Fokus deshalb weiter eindeutig auf Papieren solider Unternehmen. Zschabers wichtigster Rat für 2017 aber lautet: Schwächeperioden an den Börsen konsequent zum Nachkauf nutzen.