„Alles hängt an einem Deal zwischen den USA und China“ (Erschienen am 11.02.2019, Frank Stocker)




Dieses Jahr begann für Aktienanleger bravourös, fast alle bedeutenden Indizes sind im Plus – und das, obwohl sich die wirtschaftlichen Aussichten zuletzt eingetrübt haben. Genau deshalb sollten Sparer aber auch nicht gleich übermütig werden, denn vor ihnen liegen in diesem Jahr unruhige Zeiten. Dies signalisiert der WELT-Index, der allmonatlich vom Vermögensverwalter Markus Zschaber für WELT AM SONNTAG ermittelt wird. In den vergangenen Wochen sind dessen Werte in beiden Komponenten, dem Index der Konjunkturdaten und dem Index der Markterwartungen, erneut zurückgegangen.

Auf allen Kontinenten nehmen die Risiken zu, doch größtes Sorgenkind ist wieder einmal Europa. Da sind die unabsehbaren Folgen eines möglicherweise ungeordneten Brexits, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Italien, dessen Wirtschaft nun in die Rezession gerutscht ist. „Ein größeres Fünkchen Hoffnung könnte es allerdings geben, wenn unsere deutsche Politik das Thema Investitionen einmal aufgriffe und hier aktiv würde“, sagt Zschaber. Ebenso müsse Berlin eine Senkung der Unternehmenssteuern ins Auge fassen. „Denn es muss Potenzial freigesetzt werden, das für Investitionen verwendet werden kann.“ Immerhin hält er Deutschland aber nach wie vor für die Lokomotive in Europa, die auch die größten Potenziale hat.

Problematisch ist jedoch auch die Lage in China. Die Wirtschaft der Volksrepublik spüre die amerikanischen Strafzölle. Zusätzlich ist auch noch die Binnennachfrage zurückgegangen. „Aber – und das muss man China zugutehalten – man hat dort die modernste Logistik, die schnellsten Netze, einen sehr hohen Bildungsstand, und auch die Themen Digitalisierung und industrielle Revolution 4.0 sind hoch angesetzt“, wendet Zschaber ein.

Zudem bleiben die Nachbarländer im Süden weiterhin Triebkräfte der Weltwirtschaft. „Grund sind die gesunden Bilanzen der privaten Haushalte, der stabile Arbeitsmarkt sowie der Nachholbedarf in großen Schwellenländern wie Indien, die auch den privaten Konsum weiterhin stützen.“ Darüber hinaus stützten auch viele Regierungen die Wirtschaft durch Ausgabeprogramme, vor allem in Indien, Indonesien, den Philippinen und Thailand – alles Länder, in denen es 2019 voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte Wahlen geben wird und wo die Regierungen daher ein großes Interesse haben, dass die Konjunktur brummt.

Alles hängt letztlich aber an den Handelsbeziehungen zwischen China und den USA. Sollte es den beiden Ländern nicht gelingen, sich zu einigen, und sollten neue Strafzölle verhängt werden, würde das auch den Rest Asiens belasten – aber eben auch Deutschland, Europa und nicht zuletzt die USA selbst.

Dennoch sieht Zschaber die US-Wirtschaft aktuell am besten aufgestellt. Das Wachstum dürfte in diesem Jahr bei rund drei Prozent liegen, was nicht zuletzt an der steuerlichen Entlastung der Unternehmen liege. „Es sieht ganz so aus, als würde Donald Trump von allen Nichtamerikanern zwar verteufelt, die US-Wirtschaft aber eine Stabilität aufweisen, die einem Fels in der Brandung nahe kommt“, sagt Zschaber und wagt einen Ausblick: „Über eine Wiederwahl Trumps zum US-Präsidenten darf nicht nur spekuliert werden – sie muss sogar eingeplant werden.“

Vor diesem Hintergrund wurde im Musterdepot der Anteil amerikanischer Aktien deutlich erhöht. Auch asiatische und deutsche Werte wurden stärker gewichtet. Aktien aus anderen europäischen Ländern wurden dagegen abgebaut. Konkret zugekauft wurden beispielsweise Aktien von Adidas, vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport sowie vom deutschen Softwareentwickler Nemetschek. Die Cash-Quote bleibt mit 9,5 Prozent allerdings weiterhin recht hoch. Sie soll genutzt werden, um Qualitätsaktien in Schwächephasen nachzukaufen.