„Schlechter Sommer? Welcher schlechter Sommer?“
(Erschienen am 14.08.2016, Frank Stocker)



Flaute in der Ferienzeit? Nicht an der Frankfurter Börse zumindest, nicht in diesem Jahr. Der Deutsche Aktien-Index (Dax) klettert seit Anfang Juli praktisch unablässig in die Höhe. In dieser Woche erreichte er nun sogar ein neues Jahreshoch und übersprang die Marke von 10.700 Punkten. Seit dem Schock nach dem Brexit-Referendum der Briten Ende Juni hat das deutsche Börsenbarometer damit bereits über 15 Prozent zugelegt. Vom Tiefpunkt des Jahres Mitte Februar beträgt das Plus sogar fast 25 Prozent. Und es könnte noch weiter gehen.

Das zumindest legt der aktuelle Stand des Welt-Index nahe. Den ermittelt der Vermögensverwalter Markus Zschaber allmonatlich für die "Welt am Sonntag". Er wertet dazu die 50 weltweit wichtigsten Wirtschaftsindikatoren aus. Aktuell haben sich davon 63 Prozent gegenüber dem Vormonat verbessert, was auf eine positive Grunddynamik hinweist, zumal der Wert damit etwas höher liegt als im Vormonat. Unmittelbar nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt war er auf 61 Prozent abgesunken.

"Die politischen Risiken haben noch nicht auf die Realwirtschaft durchgeschlagen", folgert Zschaber daraus, "gleichzeitig stützt die Geldpolitik." Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte schon vor einigen Wochen beschlossen, nun auch Unternehmensanleihen am Markt aufzukaufen und so zusätzliches Geld in den Finanzmarkt zu pumpen. Mittlerweile tut es ihr die Bank of England gleich. Ganz zu schweigen von der japanischen Notenbank, die seit Jahren die Notenpressen rattern lässt.

Das dürfte Zschaber zufolge noch nicht das Ende der geldpolitischen Lockerungen sein. "Man hört ja immer wieder, die Notenbanken hätten ihr Pulver verschossen, doch das ist mitnichten so." Der logische nächste Schritt für die EZB sei beispielsweise, auch Indexfonds auf Aktien aufzukaufen, so wie das die Währungshüter in der Schweiz und in Japan längst machen. Das würde dann natürlich die Aktienkurse ganz unmittelbar nach oben treiben.

Für Zschaber gibt es daher keine Alternative zur Geldanlage in Aktien. "Unsere Überzeugung ist, dass die Märkte 2016 und auch im kommenden Jahr steigen werden." Zwar könnten die politischen Risiken dabei immer wieder für Rückschläge sorgen, die Grundtendenz bleibe jedoch auf mittlere Sicht nach oben gerichtet. Neben den extrem niedrigen Zinsen spreche dafür auch die konjunkturelle Entwicklung. Diese sei zwar nicht überragend, aber doch robust – wovon vor allem effiziente Unternehmen profitierten. Anteile an solchen Firmen seien selbst für den Fall, dass die Inflation doch irgendwann stark steige, eine reale Wertanlage, die drohende Kaufkraftverluste kompensieren kann.

Zschaber hat daher im Musterportfolio den Anteil von Aktien großer deutscher Konzerne von 17,5 auf 20 Prozent erhöht. Deutsche Nebenwerte machen nun zwölf statt zehn Prozent aus, und auch US-Aktien werden höher gewichtet, mit 7,5 statt fünf Prozent. Reduziert wurde dagegen der Bargeldanteil im Portfolio von 8,5 auf 1,5 Prozent, und auch Gold wurde verkauft und macht nun nur noch drei statt zuvor acht Prozent aus.

Konkret hinzugekauft hat Zschaber in den vergangenen vier Wochen Papiere von Leoni, Rheinmetall, Kion, Aurubis, BASF, BMW, Daimler, Continental, SAP, Henkel, Beiersdorf, Dür, AT&T sowie 3M. Verkauft wurden dagegen Aktien von Airbus, Exxon Mobil, Nike, Allianz, Brenntag, HeidelbergCement und Krones.