„Wachstumsgeschwindigkeit der Weltwirtschaft lässt nach
(Erschienen am 15.07.2018, Karsten Seibel)




Eigentlich hat sich in den vergangenen Monaten an der robusten Verfassung der Weltwirtschaft nichts geändert – und doch war die Angst der Anleger vor deutlich sinkenden Aktienkursen an den Börsen lange nicht mehr so groß. Der Grund hat einen Namen: Donald Trump. Kaum deutet sich im Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit Europa und China eine Entspannung an, hebt der US-Präsident mit seinen Aussagen und Tweets das Thema auf die nächsthöhere Eskalationsstufe. Ein Ende ist nicht in Sicht. „Zu viel politisches Fehlverhalten birgt immer die Gefahr jedes Wachstumsgebilde über kurz oder lang zum Einsturz zu bringen“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. Da könnten die aktuellen Meldungen aus den Unternehmen noch so erfreulich sein. Erste Warnsignale, dass die Wachstumsgeschwindigkeit der Weltwirtschaft nachlässt, sendet der von Zschaber entwickelte WELT-Index bereits.

Im Blick sollten Anleger aus seiner Sicht eher den Handelsstreit mit China als jenen mit Europa haben. „Gerade die währungspolitischen Maßnahmen, welche China als Antwort auf Donald Trump derzeit umsetzen, werden die chinesisch-amerikanischen Fronten noch weiter verhärten“, so Zschaber. Politische Entspannungssignale seien wünschenswert, aber im Moment noch nicht in Sicht.

Welche Dimension der Konflikt bereits erreicht hat, zeigen die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Notenbank. Sie stellte den eigenen Banken mal eben 100 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung, damit diese mögliche Schockwellen abfedern können, falls Trump noch höhere Zölle auf chinesische Waren verhängt. Gleichzeitig wertet China seit einigen Wochen die eigene Währung zwar inoffiziell, aber dennoch konsequent ab. Dadurch werden chinesische Waren im Ausland billiger, womit die Importzölle der Vereinigten Staaten zumindest zum Teil ausgeglichen werden können. Nach Zschabers Berechnungen reicht eine Abwertung des Yuan um 15 Prozent aus, um US-Zölle von bis zu 25 Prozent auszugleichen – schließlich könnten die Importeure die Zölle nicht eins zu eins an die eigenen Kunden weitergeben. Seit April hat Chinas Währung bereits fünf Prozent gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. „Der Regierung in Peking werden ähnliche Berechnungen vorliegen, sodass eine weitere bewusste Abschwächung des Yuan anzunehmen ist“, sagt der Vermögensverwalter.

Eine weitere Verschärfung der Lage ist damit programmiert. Zumal auch die Regierung in Washington rechnen kann. Donald Trump ließ China und den Rest der Welt bereits per Twitter wissen, dass er eine solche Abwertungsspirale nicht akzeptieren werde. Und Trump ist nicht der Einzige, der etwas dagegen hat. Auch die Investoren an den internationalen Börsen sehen einen zu schwachen Yuan skeptisch. Sie befürchten, dass das für weiteres Wachstum benötigte Kapital aus China abfließt. Zschaber erinnert in diesem Zusammenhang an die Monate rund um den Jahreswechsel 2015/2016, als die Schwäche der chinesischen Währung bereits einmal dafür sorgte, dass die Aktienindizes an den Börsen weltweit um viele Hundert Punkte fielen.

Noch ist es aus Sicht des Vermögensverwalters zu früh, um die Gefahr eines Bärenmarktes mit stetig fallenden Kursen auszurufen. Das gäben die Indikatoren bislang nicht her. „Ich hoffe, dass alle Seiten zur Diplomatie zurückfinden und nicht erst bei direkten konjunkturellen Schäden einlenken“, so Zschaber. Er hat im Musterportfolio vorsorglich Aktien großer europäischer Konzerne reduziert. Auch Aktien kleinerer deutscher Unternehmen, deren Geschäft vom Export abhängen, wurden zum Teil abgestoßen.