„Welt-Index“
(Erschienen am 09.09.2018, Frank Stocker)




Der September ist unter Sparern und Anlegern gefürchtet. Traditionell gilt er als der schwächste Börsenmonat, oft krachte es in den Wochen, die auf die Sommerpause folgten. Auch in diesem Jahr ist die Lage so, dass ein kleiner, verhängnisvoller politischer Fehler die Stimmung kippen lassen könnte. Und wie dieser Fehler aussehen könnte, ist ebenfalls klar.

Dabei sieht das Bild der globalen Wirtschaft auf den ersten Blick gar nicht schlecht aus, wie der WELT-Index zeigt, den der Vermögensverwalter Markus Zschaber allmonatlich für WELT AM SONNTAG ermittelt. Dessen Wert ist zuletzt wieder leicht gestiegen, die Ausgangslage bleibt damit weiterhin positiv. Dabei schlagen sich gute Unternehmenszahlen aus den USA nieder, ebenso wie ein wieder leicht anziehendes Wachstum in weiten Teilen der Welt.

Allerdings sind die Risiken, die sich dahinter verbergen, deutlich gestiegen. Viele Schwellenländer gerieten zuletzt in Probleme, letztlich verursacht durch den Zinserhöhungskurs der US-Notenbank und den gestiegenen Dollar-Kurs. In Europa drücken die neuen Unsicherheiten in Italien auf die Stimmung, und der bevorstehende Brexit wirft ebenfalls seine Schatten voraus.

Über all dem schwebt jedoch das Damokles-Schwert eines Handelskrieges. „Der von den USA ausgehende globale Handelskonflikt ist die größte Sorge weltweit agierender Investoren, darauf verweisen alle Marktreaktionen sowie alle Umfragen.“, sagt Markus Zschaber. Er habe die Stimmungsindikatoren rund um den Globus bereits abkühlen lassen. „Bei einer wirklichen Eskalation können globale Ansteckungseffekte und ein dramatischer Anstieg des systemischen Stresses mit einer rasanten Ausbreitung die Folge sein“, warnt er.

Erste Reaktionen darauf sind schon zu sehen. Beispielsweise sind die Preise für Industriemetalle zuletzt um mehr als zehn Prozent eingebrochen – viele Experten sehen darin bereits die Vorboten einer gesamtwirtschaftlichen Abschwächung. Gleichzeitig fließt immer mehr Kapital in vermeintlich sichere Häfen, allen voran in Amerikanische Staatsanleihen, aber beispielweise auch in die Schweiz. Die entsprechenden Positionen der Investoren sind hoch wie seit 2015 nicht mehr. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, wenn es zu ernsthaften Turbulenzen am Kapitalmarkt kommt. Zschaber hat daher den Anteil amerikanischer Aktien im Musterdepot erhöht. Hinzugekauft wurden insbesondere Papiere von Adobe Systems, McDonald’s, Microsoft und Amazon. Der Anteil europäischer Aktien wurde in den vergangenen Wochen im Gegenzug verringert. Dazu wurden einerseits Indexfonds auf den Euro Stoxx 50, den MSCI Europe und den MDax verkauft, andererseits auch Einzelaktien von Telefónica, MTU Aero Engines sowie Rational.

Ebenfalls aufgestockt hat Zschaber den Anteil Schweizer Aktien, namentlich durch den Zukauf von Swiss Life, Autoneum, Ceva Logistic und der Swatch Group. Schließlich wurden auch japanische Aktien gestärkt, einerseits über Indexfond auf den Nikkei und den Topix, andererseits durch Einzelinvestments in Shiseido und Tokai Carbon. Mit 7,5 Prozent nimmt ein Future auf den Volatilitätsindex VSTOXX weiterhin einen relativ hohen Anteil im Musterdepot ein. Dieses Anlageprodukt profitiert, wenn die Schwankungen an den Aktienmärkten zunehmen. „Es wird wahrscheinlich eine Phase höherer Volatilität vor uns liegen.“ Glaubt Zschaber. Sollte sich dies bewahrheiten, würde der September seinem Ruf mal wieder gerecht. Das Musterdepot wäre jedoch darauf vorbereitet.