„Angst frisst Kapital“
(Erschienen am 15.01.2017, Michael Höfling)



Für seinen Ausblick auf das gerade begonnene Jahr hat Markus Zschaber eine lange Liste mit geopolitischen und sonst wie marktrelevanten Unwägbarkeiten erstellt. Wer sie sich ansieht, könnte geneigt sein, sein Geld schleunigst aus sämtlichen risikobehafteten Anlageklassen abzuziehen.

Die Präsidentschaft Donald Trumps, die Gefahren des Trends zu Deglobalisierung und Protektionismus, der Wahlmarathon innerhalb der EU im Zeichen des wachsenden Populismus, die Folgen des Brexit, die desaströse wirtschaftliche Lage Italiens, die Herausforderungen an die Notenbanken angesichts aufkommender Inflation oder die Konsolidierung von Chinas Konjunktur: Jedes dieser Risiken birgt schon für sich genommen genügend Unsicherheit, um die Märkte in Turbulenzen zu stürzen. Doch Zschaber, Gründer und Chef der V.M.Z. Vermögensberatung, der monatlich für die „Welt am Sonntag“ das Marktgeschehen analysiert und seine Erkenntnisse in einem Musterdepot für jedermann handelbar macht, gibt dem naheliegenden Angstreflex nicht nach.

„Sicher: Es kann im Jahresverlauf durchaus ruppige Phasen an den Märkten geben, wichtig sind aber vor allem zwei Dinge. Die übergeordneten Trends sind intakt, und zu qualitativ hochwertigen Sachinvestments gibt es mittelfristig keine Alternative“, begründet der Geldexperte.

Anleger sollten sich also nicht beirren lassen, wenn die Märkte ins Schwanken kommen. „Die Aktienbewertung hängt neben den Unternehmensgewinnen vor allem vom Zinsniveau ab. Und das wird künftig deutlich niedriger bleiben als im langjährigen Mittel.“ Daraus ergebe sich neues Langfrist-Potenzial für Dividendenpapiere.

Und um das zu heben, muss man sein Geld in Aktien angelegt haben – den erwähnten Unwägbarkeiten zum Trotz. Zschabers größte Sorge gilt dabei nicht einmal dem designierten US-Präsidenten Donald Trump. Der Fondsmanager rechnet nicht mit einem „ausgewachsenen Handelskrieg“ der USA mit ihren Partnern. „Es wird verbale Gefechte geben, doch wir erwarten keine Eskalation“, meint er.

Schwieriger schätzt Zschaber in seinem Szenario die Lage in der Europäischen Union ein. „Lange Zeit konnte die Politik ihr mangelhaftes Krisenmanagement im Fall Italiens kleinreden. Dafür ist das Problem inzwischen zu groß.“ Das Land sei ohne Transfers aus der EU nicht mehr handlungsfähig. Doch angesichts der starken Position populistischer Bewegungen sei den Menschen die nächste Rettungsaktion eines ganzen Landes – zumal der volkswirtschaftlichen Größe Italiens – nicht mehr vermittelbar. „Als Ventil bliebe dem Land dann nur der Austritt aus der EU.“ Eine solche Entwicklung berge zwar Risiken und das Potenzial für Turbulenzen, könne sich aber langfristig als Befreiungsschlag entpuppen, der neues Wachstumspotenzial offenlege.

Die unsichere Lage innerhalb der EU ist denn auch der Grund, warum Zschaber die Gewichtung europäischer Standardaktien im Musterdepot zurücknimmt. Im Gegenzug werden Japan, die Schweiz und die USA höher gewichtet. Wichtiger denn je, so Zschaber, sei die Qualität der Aktien. „Es kommen nur Werte infrage, deren Erträge in der Vergangenheit stabil waren, die nachhaltig gewachsen sind und zuverlässig Dividenden gezahlt haben.“ Dabei ist Geduld gefragt: „Qualitätsaktien entfalten ihre Stärken nicht über Nacht, sondern langsam und stetig.“ Ein besonderes Augenmerk legt Zschaber aktuell auf Australien und Kanada, die besonders von anziehenden Rohstoffpreisen profitieren. Den Anleihenmarkt hingegen hält der Vermögensverwalter aktuell für weitgehend ausgereizt.