„Tear down the Handelsstreit, Mr. President“
(Erschienen am 11.11.2018, Karsten Seibel)




Die Anleger hoffen auf ein Verhalten Donald Trumps, für das der US-Präsident bislang nicht unbedingt bekannt ist: Einsicht. Gemeint ist die Einsicht, dass der von ihm angezettelte Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit China am Ende allen schadet – und die Aktienkurse dies und jenseits des Atlantiks dauerhaft drückt.

In den vergangenen Wochen wiesen die Manager vieler US-Unternehmen bei der Präsentation ihrer Geschäftszahlen auf die negativen Folgen eines anhaltenden Streits mit China hin. „Ich glaube, der Unternehmer Donald Trump hat diese Warnungen von seinen Unternehmerkollegen endlich gehört, sodass der US-Präsident Donald Trump jetzt entsprechende Lösungen forciert“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. Nur durch einen Kompromiss mit der mächtigen Volksrepublik könnten konjunkturelle Schäden für die Vereinigten Staaten und viele andere Regionen auf der Welt verringert werden.

Die Chancen, dass eine Eskalation doch noch verhindert werden kann, stehen aus Sicht des Vermögensverwalters nicht schlecht. „Es wird spannend, ob zum Ende des Monats auf dem G-20-Gipfel eine Einigung im Handelsstreit gelingt“, sagt er. Wenn nicht, werde es zu weiteren Kursschwankungen kommen, das dürfe kein Anleger außer Acht lassen. In politischen Zeiten wie diesen seien die Märkte besonders anfällig.

Der WELT-Index, den Zschaber jeden Monat ermittelt, signalisiert eher eine positive Entwicklung. Zuletzt übertrafen 65 Prozent der analysierten Wirtschafts- und Unternehmensdaten die Erwartungen – im Monat zuvor waren es 63 Prozent. „Die Erwartungen an die Weltkonjunktur und an die Unternehmen konnten in den vergangenen vier Wochen erneut mehrheitlich übertroffen werden“, so der Vermögensverwalter. Zwar seien die Risiken tatsächlich gestiegen, allerdings habe sich der Grad des Pessimismus als zu hoch herausgestellt. „Die Lage war stets besser als die Erwartungen.“

Mit Blick auf die Entwicklung des WELT-Index und die politische Großwetterlage zeigt sich der Vermögensverwalter denn auch vorsichtig optimistisch für die letzten Börsenwochen 2018 und die ersten 2019. „Die Chancen stehen gut, dass eine Jahresend- und Jahresübergangsrally bevorstehen.“

Politische Themen wie der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China oder auch die anhaltenden Verhandlungen zwischen Großbritannien und den übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union über den Brexit haben zwar vorübergehend Einfluss auf die Börsen. „Zu den prägnanteren Einflussfaktoren gehört aber die Zinsentwicklung und hierbei die Frage, ob die allgemeinen Zinsen in den kommenden Jahren wieder deutlich ansteigen könnten“, sagt Zschaber. Er geht davon aus, dass sich die Zinsen auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, und verweist auf die Inflationsdaten: „Im aktuellen Umfeld deutet noch kein relevanter Frühindikator auf hohen Inflationsdruck hin.“ Den zuletzt leichten Anstieg der Inflationsraten – auch in Deutschland – zählt er noch nicht dazu. Die Zinsentwicklung hängt entscheidend davon ab, wie sich die Preise für Waren und Dienstleistungen entwickeln. Je schneller sie steigen, desto eher werden die Zinsen klettern.

Da dies aus Zschabers Sicht nicht ansteht, favorisiert er weiterhin ein Engagement in Aktien. Diese blieben die „essenzielle Renditequelle für ein ausgewogenes Portfolio“. Doch er schränkt seine Empfehlung ein: Nicht mehr alle Aktien werden steigen. Der Vermögensverwalter sucht verstärkt nach Papieren von Unternehmen, die dank eines robusten Geschäfts über hohe und dauerhafte Mittelzuflüsse verfügen, über einen hohen Cashflow, wie Fachleute sagen. Er hat im Musterportfolio beispielsweise den Anteil von US-Großkonzernen erhöht, den von Nebenwerten dagegen gesenkt. Kursschwankungen in den kommenden Wochen sollten Anleger zu ihren Gunsten nutzen.