„Trotz Dax-Rekord lohnt sich ein Einstieg an der Börse noch“
(Erschienen am 08.10.2017, Daniel Eckert)




Deutschland könnte bald zum ersten Mal von einer Jamaika- Koalition regiert werden. Den Vermögensverwalter Markus C. Zschaber schreckt das nicht. Eine weitere Regierungszeit von Angela Merkel werde von internationalen Anlegern als Stabilitätsanker für Europa gesehen. „Ich hoffe sehr, dass uns eine zu lange Hängepartie oder gar ein Scheitern von Jamaika und damit Neuwahlen erspart bleiben, denn dies würde die Finanzmärkte sicherlich in größere Volatilitäten zwingen“, sagt der Kölner Geldexperte, der für die WELT AM SONNTAG jeden Monat den WELT-Index und ein dazugehöriges Musterdepot erstellt. Auch Unternehmenslenker seien von einer erneuten Kanzlerschaft von Angela Merkel positiv angetan, was die jüngsten Umfragen zum Geschäftsklima und deren Perspektive bewiesen. Die Chefs seien so optimistisch wie seit über sechs Jahren nicht mehr, sowohl in der Industrie wie im Dienstleistungsgewerbe. Auch im Musterdepot wirkt sich dieser Optimismus aus, denn Zschaber hat darin die Aktienquote hochgeschraubt. Zugleich hat er den Gold-Anteil stark abgesenkt. Als Grund für seinen Börsenoptimismus nennt der Vermögensverwalter die jüngsten Zahlen zum europäischen Geschäftsklima, die nach seiner Einschätzung eine starke Ausgangslage für die europäische Wirtschaft seien. Vor allem Firmen aus zyklischen, also konjunkturabhängigen Branchen, könnten in naher Zukunft mächtig aufdrehen. Dazu zählen viele europäische und deutsche Nebenwerte.

Für 2017 hält der Kölner nun einen durchschnittlichen Gewinnanstieg von fast 13 Prozent für möglich, für 2018 erwartet er weitere neun Prozent. „Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren wäre das ein fulminanter Anstieg.“ Die gute Weltkonjunktur spiegele sich in der Gewinnberichterstattung der Unternehmen wider, ein Ende dieser erfreulichen Entwicklung sei noch nicht in Sicht. Das spreche weiterhin für Aktien. Dass der Dax gerade auf knapp unter 13.000 Punkte gestiegen ist, ficht den Strategen nicht an. Es könne sogar noch weitergehen angesichts der Dynamik, mit der sich die Bilanzen der Firmen entwickeln. „Von einer gefährlichen Euphorie seitens der Erwartungen an die Konjunktur und daraus ableitend an die zukünftigen Unternehmensergebnisse kann noch nicht gesprochen werden“, sagt Zschaber. Der „Index der Markterwartungen“, der im Vergleich zum Vormonat von 57 Prozent auf 51 Prozent zurückgegangen ist, verdeutliche das. Zugleich entspanne sich die Sicherheitslage. Die geopolitische Großwetterlage, etwa zwischen Nordkorea und den USA, ist für die Märkte nach Einschätzung von Zschaber derzeit keine so große Gefahr wie noch im Sommer.

Nicht nur Aktien aus Europa sind aus Sicht von Zschaber interessant, auch in den Schwellenländern hat er Chancen ausgemacht. „Dies könnte ein Thema für das Jahresende werden, vor allem der schwächere Dollar, die guten globalen Konjunkturdaten und die vergleichsweise günstige Bewertung von Schwellenländeraktien lassen uns über eine Ausweitung der Engagements nachdenken.“ US-Aktien bleiben aus seiner Sicht ebenfalls attraktiv, sofern die amerikanische Notenbank die geldpolitischen Zügel in den kommenden Monaten nicht zu stark anzieht und Donald Trump seine Steuersenkungspläne durch den Kongress bringen kann. Die Aktienquote im Musterdepot wurde insgesamt von 72,5 auf 77 Prozent hochgeschraubt, mit einem Schwerpunkt auf Nebenwerten aus Europa und speziell Deutschland. Reduziert hat Zschaber dagegen das Gewicht von Gold im Musterportfolio, auf mittlerweile nur noch rund fünf Prozent. Im Moment spreche fast alles gegen einen höheren Goldpreis, argumentiert er.